Gefleckte Weinbergschnecke

Gefleckte Weinbergschnecke auch in Österreich angekommen?

Gefleckte Weinbergschnecke in Österreich

Gefleckte Weinbergschnecke in Österreich

Es war 2018, als ich erstmals ein Exemplar der Gefleckten Weinbergschnecke im Garten (am Rande des 22. Wiener Gemeindebezirkes) erblickte. Als Nicht-Schnecken-Experte dachte ich mir nicht viel dabei und ließ die unbekannte Schnecke des Weges ziehen.

2019 dann -in einer verregneten Mai-Nacht beim Abmurksen der Spanischen Wegschnecke– ein kleiner Schock: Säumten da doch plötzlich unzählige -mir noch immer unbekannte- Schnirkelschnecken die Wiese, die Wege und die Beete.

Eine Recherche im Internet ergab: Es handelt sich tatsächlich um eine Schnecke, die es in Österreich eigentlich gar nicht geben sollte – die Gefleckte Weinbergschnecke (Cornu aspersum oder Helix aspersa etc.), die eine enge Verwandte der bei uns natürlich vorkommenden Weinbergschnecke (Helix pomatia) ist und ihre Heimat eigentlich im Mittelmeerraum bzw. deutlich wärmeren Gegenden haben sollte.Doch Tiere und Pflanzen halten sich eben nicht immer an ihre ursprünglichen Habitate und die Globalisierung bzw. auch der Klimawandel sorgt vermehr für so manche Überraschungen im Pflanzen- und Tierreich…

So war auch 2020 die Gefleckte Weinbergschnecke Dauergast im Garten – und insbesondere nach Einbruch der Dunkelheit und bei Nässe (gerne nach Niederschlägen) krochen die der Familie der Schnirkelschnecken angehörigen Tierchen massenhaft aus ihren Verstecken und sorgten für Beunruhigung in Sachen Pflanzenparadies…

Auch in anderen Gärten und Regionen Österreichs scheint die Gefleckte Weinbergschnecke mittlerweile Dauergast bzw. sogar schon Plage zu sein – vielfach findet man in Gartenforen Berichte bezüglich der invasiven Vermehrung der -eigentlich hübschen- Schnecken. Auf Wikipedia hingegen ist bisweilen nur ein Hinweis auf einzelne Vorkommen in Wien-Simmering gegeben – entweder werden dort die grünen Tonnen hingebracht (in denen wohl viele Schnecken landen) oder auch die Glashäuser bieten den Exoten dort gute Überwinterungsmöglichkeiten. Alles noch graue Theorie…

Gefleckte Weinbergschnecken

Gefleckte Weinbergschnecken

Die Gefleckte Weinbergschnecke ist von der “normalen” Weinbergschnecke recht leicht zu unterscheiden: Einerseits sind ausgewachsenen Exemplare deutlich kleiner als ausgewachsene Weinbergschnecken, die Gefleckten haben eine deutlich dünnere Schale und auch das namensgebende gefleckte Muster in den Farben Schwarz, braun, gelblich, weiß (siehe Bilder).

Während die heimischen Weinbergschnecken im Winter (aber auch bei langer Trockenheit) mit einem Deckel  aus Kalk (“Epiphragma”) das Haus verschließen um nicht zu erfrieren oder auszutrocknen, bilden die Gefleckten Weinbergschnecken nur -deutlich dünnere- Schleimhäutchen aus. Somit sollten die Schnecken bei Frost (der ja in unseren Breiten häufiger vorkommt) eigentlich sterben. Die milden Winter der letzten Jahre und vielleicht auch der Klimawandel haben es aber scheinbar möglich gemacht, dass doch einige Exemplare die Winter überstehen und auch gleichzeitig kräftig für Nachwuchs sorgen, was via Eiablage in Erdhöhlen geschieht.

Wie diese Schnecken bei uns eingeschleppt wurden, ist derzeit noch nicht wirklich klar: Durchaus möglich, dass diese via Obst, diverser Pflanzen bzw. Gemüse importiert wurden und in Glashäusern bzw. anderen Winterquartieren milde Winter übertauchen, auch möglich, dass so manchem Züchter bzw. Terrarienfreund (Cornu aspersum eignet sich gut für die Terrarienhaltung) ein paar Exemplare abhanden gekommen sind und diese sich ob milder Winter nun ziemlich breit vermehren. Die Gefleckten sind auch in Sachen Standortanspruch nicht so sehr an kalkreiche Gegenden gebunden wie die “Normalen” – fühlen sich also ziemlich überall, wo es nicht zu kalt ist, wohl.Während ich die “Spanier” (Nacktschnecken) vor Ort töte, werden die “Gefleckten” bei mir nach 2 Jahren des geballten Auftretens an feuchten Abenden (kleine Runde mit der Taschenlampe durch den Garten – insbesondere in der Nähe von guten Verstecken wie Sträuchern bzw. Schattenstellen wird man fündig) eingesammelt und in eine Brache mit Waldanschluss verbracht.

Die Gefeckten Weinbergschnecken scheinen mir in Sachen Pflanzenfraß nicht so schädlich, wie die spanischen Nackt-Kollegen – das massive Auftreten macht aber doch leichte Sorgen. In der Regel finde ich die Gefleckten aber zumeist im Gras und nicht im Salatbeet – es ist aber schon so, dass auch die Gefleckten frische Pflanzen nicht gänzlich verschonen.

Am Tag wird man die Gefleckten Weinbergschnecken nicht so rasch zu Gesicht bekommen – meinen Beobachtungen nach sind sie sogar etwas lichtscheuer als die heimischen Kollegen und kommen erst bei völliger Dunkelheit aus den Verstecken.

Gefleckte Weinbergschnecken im Gras

Gefleckte Weinbergschnecken im Gras

Es bleibt abzuwarten, ob die Gefleckte Weinbergschnecke auf Dauer Gast in Österreich bzw. Kontinentaleuropa (auch in Deutschland gibt es schon viele Sichtungen) bleibt – vielleicht ist der Spuk mit einem halbwegs normalen Winter auch schon wieder beendet.

Wer nicht zur Ausbreitung beitragen möchte, sollte insbesondere beim Reinräumen von Gartenpflanzen in das Winterquartier darauf achten, dass sich in den Kübeln und Untersetzter nicht ein paar Gefleckte eingenistet haben…

Details am Rande: Bei der von Andreas Gugumuck wieder salonfähig gemachten “Wiener Schnecke”, die via Rothneusiedel gezüchtet und vermarktet wird, handelt es sich um die “Gefleckte Weinbergschnecke”. Auch im “Schneckenverspeiseland” Frankreich sind die Gefleckten klare Nr. 1 am Teller – so Sie auch zu viele Gefleckten Weinbergschnecken im Garten haben und gerne Schnecken verspeisen, wissen Sie also jetzt, was zu tun ist;-)

Weitere Infos Gefleckte Weinbergschnecke:

Gefleckte Weinbergschnecke

Weinbergschnecke

Wiener Schneckenmanufaktur Gugumuck